Die Viersprachigkeit in der Schweiz
Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern lässt sich die Schweiz nicht nur in geographische bzw. politische Regionen unterteilen, sondern auch in mehrere Sprachräume. Für die Schweiz gibt es keine allgemein gültige Amtssprache, so dass jeder Kanton individuelle Festlegungen getroffen hat, wobei mancherorts auch zwei oder mehr offizielle Amtssprachen bestehen. Im 17 von 26 Kantonen, also im überwiegenden Teil der Schweiz ist Deutsch die alleinige Amtssprache. Darüber hinaus ist Deutsch in vier weiteren Kantonen neben Französisch, Italienisch und/oder Rätoromanisch die offizielle Amtssprache. Von wenigen Ausnahmen abgesehen können sich deutsche Touristen aber in der gesamten Schweiz in ihrer Muttersprache verständigen, da knapp zwei Drittel der Schweizer dieselbe Muttersprache haben.
Mit 20 % der Bevölkerung ist Französisch in der Schweiz die zweithäufigste Sprache, wird aber ähnlich wie Deutsch fast überall im Land verstanden. Französisch wird in der Schweiz in sieben Kantonen als alleinige oder geteilte Amtssprache gesprochen, unter anderem in Genf, Bern und Freiburg. Der einzige Kanton der Schweiz, der Italienisch als alleinige Amtssprache führt ist Tessin, während der Kanton Graubünden Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch als offizielle Amtssprachen ausweist. Italienisch (6,5 %) und Rätoromanisch (0,5 %) werden damit von Haus aus nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung gesprochen. In der Regel bekommen Kinder und Jugendliche in den Schulen der Schweiz Fremdsprachenunterricht in Englisch sowie den beiden nicht im Kanton gesprochenen Sprachen.
Die Aufteilung der Schweiz in drei Sprachräume, die sich auf der Landkarte mit fließenden Übergängen auch geographisch nachvollziehen lässt, hat vor allem historische Gründe. Das Gebiet der heutigen, deutschsprachigen Schweiz gehörte bis ins 17. Jahrhundert hinein zum damaligen Heiligen Römischen Reich, aus dem es mit dem Westfälischen Frieden von 1648 austrat. Seither hat sich an dieser Abgrenzung praktisch nichts verändert. Etwas bewegter verlief die Geschichte in der italienischen Schweiz, die heute den Südosten der Eidgenossenschaft bildet. Während der Napoleonischen Kriege verlor das Gebiet einen Großteil seiner Fläche, so dass die italienische Schweiz heute aus drei separaten Teilen in geographischer Nähe besteht, aber eben kein zusammenhängendes Gebilde darstellt. Die französische Schweiz ist auch unter der Bezeichnung Romandie bekannt und erstreckt sich über den westlichen Teil der Schweiz.